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Die Sache mit den Seitengängen

Die Sache mit den Seitengängen


Auf die Frage seines Schützlings, des jungen Königs Ludwig XIII, warum der Reiter mit Seitengängen arbeitet, antwortet Pluvinel: ‚Wir brauchen Seitengänge, um geradezurichten.‘ Erstmal hört sich das konträr an. Warum sollen wir ein Pferd seitwärts arbeiten, um es gerade zu richten? Was uns zu Beginn der reiterlichen Ausbildung ein Rätsel ist, wird mit wachsendem Verständnis immer mehr zur Unabdingbarkeit. Zuerst benötigen wir die Seitengänge, um mit dem Pferd in eine gemeinsame Balance zu kommen. Viel später benötigen wir die Seitengänge vor allem dann, wenn Pferd und Reiter in einigen Augenblicken die Balance verlieren. Was als Lektion begann wird zum Gespräch zweier Seelen und Körper.

 

 

Seit Pluvinel ist das eine oder andere Jahrhundert vergangen. Was haben wir seitdem gelernt, und was haben wir vielleicht vergessen? Seit Pluvinel den jungen König, und neben diesem viele Schüler mehr unterrichtet hat, hat die Reitkunst viele verschiedene Ausprägungen erlebt. Pluvinel war nicht nur Theoretiker – er hat Pferde und Menschen für den angewandten Nahkampf, für den Krieg also, ausgebildet. Eine sehr direkte und unmittelbare Überprüfung der Ausbildung ist damit garantiert. 

Despino in Renvers
Despino in Renvers

Seitengänge die wir nutzen:

Im Rahmen der Akademischen Reitkunst haben wir uns entschieden, das Konter-Schulterherein nicht zu nutzen, weil es so schwierig ist, das Pferd in einer physiologisch sinnvollen Bewegung zu formen und nicht über die äussere Schulter zu arbeiten.


Glücklicher Weise leben wir heute in Friedenszeiten, was hoffentlich noch lange so bleibt. Seitengänge reiten wir trotzdem. Warum eigentlich, wenn unser Ziel doch gar nicht mehr ist, uns gegenseitig etwas auf die Mütze (oder den Reithelm) zu geben? Seitengänge haben verschiedene Anwendungszwecke, was auch ihre verschiedenen Ausprägungen erklärt. Die Wendigkeit im Getümmel ist nur einer davon. Befinden wir uns mit dem Reitanfänger in der Bahn, werden die Seitengänge uns eher an Schenkelweichen erinnern. Hier haben sie die Aufgabe, dem Anfänger ein Gefühl dafür zu geben, wann der Reiter überhaupt eine Reaktion im Pferd auslösen kann. Hüten wir Kühe, Schafe oder befinden uns im Stierkampf, geht es weniger um den perfekt ausgebildeten Seitengang, und viel mehr um darum, sich schnellstmöglich in Relation zu dem Tier zu bewegen. Entweder, um es nicht aus der Herde ausbrechen zu lassen oder aber, um selbst nicht vom Stier erwischt zu werden.


20.-21. Februar gibt es den Kurs zum Buch !

Bent Branderup referiert die Arbeit mit den Seitengänge, lässt uns teilhaben an sinnvollen Lektionen und hilft uns Reitern mit Details zu mehr Reitkunst. Recordings are available for several days. Click


 

Welche Seitengänge es gibt, wie sie miteinander verwandt sind, Perspektiven der Seitengänge in verschiedenen Arbeitspositionen, Tipps für den Sitz und Anwendungsbeispiele und Erfahrungsberichte – damit beschäftigt sich das am 25. Februar 2021 erscheinende Buch des Kompendiums Akademische Reitkunst. Ich bin unheimlich stolz, den nächsten Band des Kompendiums präsentieren zu dürfen. In jedem Band steckt viel Herzblut der Redaktion und der einzelnen Autoren. Es baut auf dem vorangegangenen Band ‚Der Zirkel‘ (erschienen August 2020) auf und legt seinerseits die Grundlage für das Buch ‚Geraderichten‘, das im Jahr 2022 erscheinen wird. Wenn Du jetzt neugierig geworden bist und nicht mehr warten kannst, möchte ich dich mit einem vorab Blick ins Buch schon glücklich machen. Bestellen kannst Du dein Exemplar bereits hier Klick! (Affiliate Link)


Zum Weiterlesen

 Mindfulness

 

 

 


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