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Blickschulung mit Funi

 

Dem Isländer, oder dem Mehrgänger an sich, wird gerne Gangsalat nachgesagt. Das ist ein bisschen gemein. Das muss nicht unbedingt sein. Davon abgesehen, dass viele Isländer nur drei Grundgangarten zur Verfügung haben. Im Umkehrschluss bedeutet „Mehrgänger“ auch nicht taktunklar. Taktunklar bedeutet aber immer: Irgendetwas ist hier aus der Balance. Weil das ü runs Reiter so unglaublich wertvoll ist, Balance und Inbalancen erst sehen, und dann bearbeiten zu können, ist diese Serie entstanden. Mit Hilfe einiger toller Menschen, die dazu ihre Pferde ganz ohne Einflussnahme gefilmt haben.

 

Übrigens: die meisten Pferde, die ich kenne, könne die Gänge sehr gut und klar unterscheiden. Die meisten Reiter haben nicht unbedingt so ein gutes Körpergefühl 😉


Bedienungsanleitung

für die Blickschulungs-Videos:

Bereite dich gerne vor mit einem Zettel und Papier. Wenn Du dich gerne selber probieren möchtest (wozu ich dir rate), mach den Ton aus. Denn hier verrate ich die Lösung.

Je nachdem, wo dein (derzeitiger) Fokus liegt und mit welchen Themen Du dich derzeit selber auseinandersetzt, werden jedem andere Details ins Auge fallen. Das ist nicht nur ok, sondern auch gut so. Darum lade ich dich ein, in den Kommentaren deine „Entdeckungen“ mit allen Lesern zu teilen. Die Dinge, die mir zuerst ins Auge fallen, und wie sich das auf das Training auswirkt, teile ich mit euch in der Vertonung. 

Was bedeutet das für die Ausbildung?

 

Das ist die Frage, die sich nun natürlich stellt.

Training hat immer mehrere Ebenen. Das eine ist, die Gymnastizierung des Pferdes, das andere ist die Ausbildung des Reiters.  Hier und heute können wir erstmal nur Ideen zum Pferd besprechen.
Was zu sehen ist: Besonders auffällig ist für mich die mangelnde Tragkraft des rechten Hinterbeines in Kombination mit der sich nicht absinkenden rechten Hüfte. 

Biomechanik für Reiter

Einigen wir uns zuerst darauf, dass die Hinterhand der Motor des Pferdes ist, Kraft auf den Brustkorb überträgt und damit auf das Heben der Vorhand grossen Einfluss hat.  Wenn Du Lust hast, in das Thema tiefer einzusteigen, gibt es mehr Infos im Blog Kopf hoch oder runter :-)

Jedes Hinterbein hat mehrere Funktionen. Diese Funktionen schauen wir einmal genauer an. Ein Hinterbein kann inneres und äusseres sein, und dies auf beiden Händen. Die Tätigkeit des Hinterbeins ist für das Heben / Freiwerdens der Vorderbeine verantwortlich in dieser Funktion, und auch hier auf zwei verschiedenen Ebenen.


1. Das Hinterbein mit diagonaler Kraftübertragung
Auf das diagonale Vorderbein hat das Hinterbein Einfluss im Sinne der Rotation und der Biegung. Vereinfacht gesagt: Rotiert die Hüfte richtig, und tritt das Hinterbein grade unter den Schwerpunkt, wird das diagonale Vorderbein über die Rotation des Brustkorbes gehoben und in die richtige Schwung- und Balancerichtung getragen. Tut es das nicht, rotiert der Brustkorb nicht in Richtung, und verschiedene Arten von Biegungs- und Stellungsfehlern treten auch. Der nicht rotierende Brustkorb drückt dann die diagonale Schulter herunter, statt sie zu heben. Das Vorderbein wird nicht nur nicht in die Schwung- und Balancerichtung getragen, sondern wird in den Boden gedrückt. 

2. Das Hinterbein mit gleichseitiger Kraftübertragung
Auf der zweiten Ebene überträgt das Hinterbein Kraft auf die gleichseitige Schulter. Diese wiederum wird von dem Vor- und Rückschub des Hinterbeines gut beeinflusst. Arbeiten wir mit einem Pferd in Richtung horizontale Balance, ist das erste Ziel, Trag- und Schubkraft in einer gleichmässigen Tätigkeit zuzulassen. Schiebt das Hinterbein mehr als es trägt, geht das "zuviel" an Schubkraft auf das gleichseitige Vorderbein. Somit kann das gleichseitige Vorderbein nicht früh genug vom Boden lösen, die Schulter wird zu stark nach hinten gedrückt unddas Vorderbein zieht sich unter den Brustkorb, oft deutlich hinter Sattelgurtlage. Die Stützlast erhöht sich proportional, die Protraktion (der Vorschwung) des Vorderbeines wird begrenzt. Auch hier stimmt die Balancerichtung nicht mehr und der Druck auf die kleinen Gelenken der Vorhand und die Weichteile wird verstärkt.

Funi:

 

Die nicht rotierende rechte Hüfte ist für mich der erste Fokus aus meiner ausbilderischen Sicht. Alle anderen Phänomene sind für mich Folgeerscheinungen. Schauen wir aus Ausbilderisch macht das Sinn, osteopathisch ist es ohne das Pferd behandelt zu haben mehr raten. Denn wir sehen auch, wie dieses Problem sich durch den Köper zieht: Der Brustkorb steht rechts oben fest, und genauso das Genick. Das bringt Probleme im linken Knie, und sicherlich auch im Schulterbereich und mindestens im linken Vorderbein mit. Auch gut zu sehen ist, dass die Festigkeit in Genick und Kiefer etabliert ist. In der Ausbildung suchen wir Lösungsansetze, um die Hinterhand in eine gute und sinnvolle Tätigkeit zu bringen.


Was wir als Reiter fühlen:
Ausbilderisch können wir daraus schließen, dass das Pferd die Reiterin immer etwas nach links setzt. Außerdem wird die Linksstellung schwierig sein. Durch die Flexion des Beckens nach rechts vorne oben kann das linke Hinterbein nicht tätig werden. Im Schulterherein links fällt das rechte Hinterbein als äußeres gerne aus, während das linke nicht gerade vorkommen kann. Die Hauptlast geht auf das linke, innere Vorderbein. Das linke, innere Hinterbein kommt nicht gerade unter den Schwerpunkt, und dreht dadurch deutlich in den unteren Gelenken.
Auf der rechten Hand ist die Stellung erstmal „besser“, wobei das mit Vorsicht zu sagen ist. Wie oben besprochen, rotiert der Burstkorb nicht herunter. Auch hier ist kein Schulterherein wirklich machbar, da die rechte Hüfte zwar vorkommt, aber sich nicht absenkt. Die diagonale Schulter wird also nie gehoben (was ja der Inhalt des Schulterhereins ist), sondern in den Boden gedrückt und kann nicht in die richtige Balancerichtung kommen. Dass das Pferd einen Traktfehler im Trab und Galopp zeigt, ist also gar kein Wunder.

Soll die körperliche Schiefe mit reiner Ausbildung behoben werden, ist der Schlüssel die Hinterbeine zur richtigen Funktion zu bekommen, und die Schulter auf die Hüfte auszurichten. Gelingt dass, könnten die faszialen und muskulären Strukturen sich in diesen Momenten immer wieder entspannen. So besteht die Chance besteht, dass das Pferd als ganzes beginnt zu lösen und richtig zu rotieren. Ein Ansatz wäre sicherlich auch mit minimalen Gewichtsverlagerung immer wieder das Pferd vielleicht im Halten zu lösen und sich um ein mehr Last auf die Hinterbeine zu legen. Wie und was am besten funktioniert, muss das Pferd dann aber selber entscheiden im praktischen Tun ausprobiert werden.

Training oder Therapie? Wann was  Sinn macht, dazu habe ich einige Gedanken im Blog meiner Kollegin Anna Eichinger bereits aufgeschrieben :-)

Enjoy the Journey!


Welche Ideen / Gedanken hat der Artikel bei dir angestossen?
Ich freue mich über Deine Ideen. Teilen, Kommentare und Rückfragen erwünscht :-)


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