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Mit Bodenarbeit starten.... das Kruppeherein

 

Ein Meilenstein, den es zu entdecken gilt, ist das Kruppeherein.
Für den Anfänger oft das höchste Hinderniss, dass es zu überwinden gilt - für den Fortgeschrittenen eine willkommene Option, Körpersprache und Kommunikation zu überprüfen und verfeinern. Der erfahrene Ausbilder hingegen kann sich ein Leben ohne Kruppeherein kaum vorstellen.


Warum Kruppeherein?


Während die Arbeit mit der Versalen (Schulterherein) dir die Kontrolle über das innere Hinterbein und damit die laterale Biegung gibt, eröffnet die Arbeit mir der Traversalen die Weg zur Versammlung. Sollte dein erstes Konterargument jetzt sein, dass Du doch auch im Schulterherein oder gerade gebogen und gestellt versammeln kannst - Ja, stimmt. Aber auch hier benötigst Du eine gute Kommunikation mit dem äusseren Hinterbein deines Pferdes, und sei es nur um das Ausfallen des selbigen zu verhindern! und dafür geht kein Weg am Kruppeherein vorbei....!

 

In der Bodenarbeit….

Bodenarbeit darf niemals zum Selbstzweck werden.  Die Ausbildung eines Pferdes und ihre Mittel darf nie in eine Sackgasse führen, sondern sollte immer so angelegt sein, dass  sie eine solide Basis  für die nächsten Schritte bietet. Oder auch eine Struktur, auf die Du zurückgreifen kannst, wenn's mal schief gelaufen ist. Das gilt auch für die Boden- und Longenarbeit. Darum ist es so logisch, am Boden die gleichen Hilfen und die gleiche Sprache zu nutzen wie beim Reiten. Die schwierigste Hilfe ist immer diejenige, zu der die Körperposition die grösste Distanz hat. In der Boden- und Longenarbeit  ist dass der äussere Schenkel :-)

Ob Du nun das Krupperherein nutzt, um ein besseres Verständnis für den Aussenschenkel zu schulen, oder den Aussenschenkel um das Kruppeherein auszubilden - in der Realität kaum ein Unterschied.

Ob Anfänger oder schon etwas Fortgeschritten - für die meisten ist es etwas schwierig, den äusseren Schenkel gut zu etablieren. Ich teil gerne meine Erfahrungen mit dir, um den Start etwas leichter zu machen :-)


Celina Harich - Traversale in Groundwork
Celina Harich - Traversale in Groundwork

Das wichtigste zuerst


Werkzeuge:
Gutes Werkzeug ist Alpha und Omega. Zur Bodenarbeit mag ich diese besonders:

  • ein gut sitzender Caveson
  • eine lange Gerte, ein schlankes Holzstöckchen oder eine Fahrpeitsche mit kurzem Schlag
  • ein Führseil,  Lederzügel oder Longe 
  • ein Lächeln im Gesicht und einen guten Plan zur Belohnung deine Pferdes, wenn es die gewünschte Reaktion zeigt.

 

Was zuerst kommt....

Die Reise ist nicht gleich das Ziel. Das erste, was du mit deinem Pferd lernen darfst, ist eine einfache Reaktion auf das Signal " äusseren Schenkel". Denkst Du über Kruppeherein nach, dann ist das erstmal wichtigste Hilfe.


Wie immer, gibt es verschiedene Wege, die zum Ziel führen :-)

Bist Du selber Anfänger und dein Pferd hat ebenfalls wenig Erfahrung in der Bodenarbeit, dass ist Option 1 die einfachste für dich:
Wenn dein Pferd steht, nimm eine laaaange Gerte oder auch Fahrpeitsche mit kurzem Bändel. Greif mit dem Stöckchen nun über den Rücken des Pferdes und berühre es so in der Region äusserer Hüftknochen bis es einen Schritt auf dich zu macht.
Die allermeisten Pferde werden erstmal nach aussen ausweichen, eine völlig normale Reaktion. Bedenke auch, dass Pferde Meister darin sind, feinste Körpersprache und deine Intention zu lesen. Signale, die uns Menschen oft verborgen bleiben und unterbewusst ablaufen. Bleib ruhig und ärgere dich nicht. Prüfe, ob Du dein Pferd vielleicht blockierst (lehnst Du dich vielleicht in seine Richtung? Ziehst Du am Caveson?) oder ob es einfach das Signal noch lernen muss. 

Und dann nochmal probieren.

Achtung!
Einige Pferde bekommen Angst wenn Du plötzliche Bewegungen machst oder die Gerte über ihren Rücken hebst. Das kann den Hintergrund schlechter Erfahrungen haben, muss aber nicht. Letztendlich ist ein Pferd ein Fluchttier, das Bewegungen im toten Winkel per Natur nicht einfach toleriert und primär mit Fluchtinstinkt reagiert. 
Eine gute Körpersprache kann einen Einstieg geben um den Pferd erstmal sanft zu erklären was Du dir wünscht, aber irgendwann benötigst Du ebenfalls die Sekundärhilfe. Und dann hilft es einfach, wenn sie verstanden ist. 
Sollte das also ein Problem für dein Pferd sein, dann lehre dein Pferd erst zu verstehen, dass es sicher ist, wenn Du Arm und im Nachgang die Gerte hebst. Mein Rat sich im Slow-Motion Tempo zu bewegen, so dass jede Bewegung für den Vierbeiner voraussehbar ist. 


Achte darauf, das dein Pony wirklich mit der Hinterhand reagiert und nicht mit der Vorhand. Du bekommst später die Reaktion die Du jetzt lehrst, und in diesem Schritt wünschen wir uns die Reaktion auf den äusseren Schenkel und nicht des äusseren Zügels. Den brauchen wir ja auch noch, und darum ist es handlich ;-)

Idealerweise hast Du deine Körpersprache so gut unter Kontrolle, und dein Pferd ist so vertrauensvoll, dass ihr von Anfang an auf einer freien Linie trainieren könnt. Aber wenn die Wand euch hilft, erstmal eine Richtung zu finden - dann fangt ruhig von hier an. Je besser Du verstehst, was Du eigentlich dein Pferd fragst, desto leichter wird es für euch werden.

 

Option Nr. 2
macht Gebrauch von der natürlichen erscheinenden Kruppeherein-Richtung, z. B.  beim schliessen einer Volte. Wenn Du mit deinem Pferd auf eine Volte gehst, dann wird dein Pferd natürlich beim zurückkommen zur Wand die Hinterhand hereinnehmen. Das passiert auch nach einer Ecke, wenn Du nicht bewusst dagegen formst. Hier ist es also sehr einfach, den äusseren Schenkel zu erklären.

 

Option Nr. 3
ist mein persönlicher Lieblingsweg, aber eher etwas für Bodenarbeits- und Körperarbeits- Experten. Sowohl dein Auge, um im Ansatz die richtige Richtung zu erkennen, als auch deine Körpersprache muss schon TOP sein damit Nr. 3 klappen kann.
Hier arbeite ich über die Bewegungsrichtung und den Kraftübertragungswinkel in der Hüfte, um an den äusseren Hinterfuss zu gelangen und löse die Reaktion nur mit meiner Körpersprache aus. Sobald das Pferd Tragkraft auf das äussere Hinterbein legt und durchschwingt, lobe ich. Kommt die Reaktion sicher, kommt die Gerte als Sichtzeichen dazu. Ist das verstanden, wünsche ich mir mehr und mehr Reaktion über das Sichtzeichen. Ideen aus dem freien Shaping und der Hundeausbildung fliessen in diese Variante mit hinein. Der Nachteil: Wenn der Ausbilder nicht genau weiss, was er sucht, wird das nix. Vorteil: Minimaler Druck für das Pferd, maximale Losgelassenheit. Im Gegensatz zu anderen Wegen verliert Biegung und Stellung sich nicht erstmal zu Gunsten der pädagogischen Arbeit.

Das ist auch eine Methode, mit der das Kruppeherein verfeinert werden kann, zu jedem beliebigen Zeitpunkt in der Ausbildung. Es ist also nicht zwangsläufig eine Entweder - Oder Entscheidung.


Typische Problemchen ;-)


Manche Probleme erscheinen einfach ganz regelmässig immer wieder in der Ausbildung von Pferd und Mensch. Die allermeisten wirst Du auch in deiner Entwicklung mal probieren wollen ;-)
Einige davon möchte ich dir gerne vorstellen, damit Du dich selber gut überprüfen kannst.

  • Das Pferd drückt gegen / schiebt dich weg.
    Grundregel: Ruhig bleiben ;-) In der Regel ist das ein Missverständniss. Ganz häufig stimmt die Körpersprache des Menschen nicht. Wir Zweibeiner stehen gerne im Weg und / oder ziehen am Kopf rum. Zuallererst also: Loslassen. Und aus Abstand nochmal fragen.
    Drückt das Pferd immer noch gegen, schiebt es mehr als es vorgreift. Das macht Geschwindigkeit, und dir Probleme.
    Bring deinem Pferd bei, zu tragen und nicht zu schieben. 
  • Die Hinterhand fällt aus
    Zu Beginn lernen Mensch und Pferd gemeinsam. Du weisst noch nicht so richtig, was Du fragst, und dein Pferd kennt die Antwort noch nicht.  Dein Pferd bietet einfach verschiedene Varianten an. Bestätige die Reaktion, die in die richtige Richtung  geht, und wenn es nur eine Gewichtsverlagerung ist. Überprüfe auch, ob deine Körpersprache das Pferd wirklich einlädt, zu dir zu kommen.  Oder lehnst Du doch ins Pferd herrein?? Denks daran: Du kriegst was du trainierst, nicht das was Du dir wünscht!
  • Die Hinterhand kommt gar niemals herein
    Nun, lass uns über körperliche Möglichkeiten und Grenzen nachdenken. Viele Menschen ziehen instinktiv am Kopf, wenn sie das Pferd einladen möchten. Die meisten möchten entweder helfen und dem Pferd die Richtung zeigen, die anderen tun es völlig unbewusst. Beides macht es nicht richtiger ;-) Der Motor beim Pferd ist HINTEN. Wenn wir vorne Kopf und Halsbereich überbiegen, dann verhindern wird tatsächlich, dass die Hinterbeine noch untertreten können. Die Wirbelsäule wird blockiert. Die Hüfte fällt heraus, statt vorzugreifen, und die Hinterhand kann nicht mehr hinein kommen. Also: überprüfe mal kurz deine Hand, gib deinem Pferd Platz. Ist deine Hand vielleicht schon hinter die Ponynase gewandert und wirkt rückwärts ein? Luft lassen!
  • Du kommst nicht von der Wand weg.
    Überprüfe deine Position! Mit  wachsender Erfahrung wirst Du feststellen, dass die allermeisten Probleme durch Widersprüchlichkeiten von Köperposition und  Sekundärhilfe erzeugt werden. Oft ist es schwierig, sich nicht ins Pferd zu lehnen, wenn Mensch mit der Gerte über den Pferderücken greift. Pferde hingegen sind Meister darin, unsere Körpersprache und Intention zu lesen. Sie reagieren schon auf Milimeter ;-) Versuch doch mal, ganz bewusst ein oder zwei Prozent mehr Gewicht auf dein inneres Bein, also vom Pferd weg, zu legen, und dich ein ganz kleines bissl in diese Richtung zu lehnen, wenn Du nach Kruppeherein fragst.
  • Das Pferd beisst in den Zügel, in dich, oder schlägt mit dem Kopf.
    Probleme die sich am Kopf zeigen sind in 99,9 Prozent aller Fälle keine Kopfproblem. Und niemals dort zu korrigieren. Es ist die Hinterhand, die Brustkorb und damit Schultern und Hals platziert. Lass uns nochmal wiederholen: Pferde sind Meister darin, Köpersprache und Intention zu lesen. Wie ist deine Intention? Bist du deinem Pferd ein guter Lehrer? Beschwert dein Pferd sich evtl über zu wenig Platz, zuviel Druck oder eine Schiefe? Ist dein Pferd vielleicht verärgert weil es zu schnell, zu langsam oder zu tough ist?  Hat es vielleicht sogar irgendwo köperliche Schwierigkeiten und versucht diese mitzuteilen? Verabschiede dich von allen Erwartungen, die gehören nämlich dir ganz alleine. Dein Pferd muss sie nicht erfüllen. Nimm die "Probleme" als das, was sie sind: Kommunikationssignale. Und nun finde heraus, was dein Pferd kommuniziert.
  •  Wenn Du gut Englisch liest, dann ist auch der Post über verschiednen Führpositionen toll, um deine Köpersprache zu verbessern.
    Check as well the post about body postitions for refining your communication.

Pädagogik


 

Die Gerte ist ein visuelles Zeichen, nicht mehr oder weniger. Behalte im Gedächtniss, dein Pferd Anfänger ist. Ein Anfänger braucht manchmal eine klarere Führung als ein erfahrener Tänzer. Ab und an das Pferd mit der Gerte zu touchieren oder anzufassen ist in Ordnung. Über Zeit und Dauer darf das Signal dann mehr und mehr nur zum Sichtzeichen werden. 

 
Die Kunst im Kruppeherein ist es, zuerst das äussere Hinterbein zu erreichen, und dann Schritt für Schritt das Pferd zu lehren, die Kraftübertragung zu nutzen um die Schultern zu heben und nicht darauf oder darüber zu fallen. Innerer und äusserer Zügel helfen, die Schultern vor der Hüfte zu platzieren.


Nicht nur zu Beginn, sondern auch grundsätzlich, wertschätze das Verstehen deines Pferdes höher als die perfekte Form. In den meisten Fällen verlieren wir die korrekte Biegung und Form in dem Moment, wo eine neue Hilfe oder Kommunikation erarbeitet wird. Das Pferd probiert sich aus, bevor es eine neue Balance findet. Trotzdem darfst Du es gerne im Blick behalten. Sehr oft löst sich das Problem fast wie von selber. Wenn Verständnis reift, nimmt die Anspannung ab und der Körper entspannt sich in eine gute Form.

 

Hast Du an der Wand begonnen, kommt nochmal ein etwas schwieriger  Moment, wenn ihr euch von der Wand auf die freie Linie begeben wollt. Ein guter Tipp ist es an der Wand weiter zu beginnen, und das Kruppeherein etwas zu übertreiben. So kommt ihr zwangsläufig auf eine Diagonale und somit von der Wand weg. Das ist auch ein toller Moment, um das Verständnis deines Pferdes zu testen.
Ich mag es selber auch, eine Schritte Schulterherein an der Wand zu beginnen und dann traversal in die Bahn hinein zu gehen. Sehr wahrscheinlich fallen die meisten Pferde nach einigen Schritten aus.  Das ist der Moment, wo Du testen kannst, ob die Gerte als äusserer Schenkel schon gut verstanden wurde - oder eben noch nicht. Ist es einfach das Pony zu fragen, ob es zurück unter den Schwerpunkt kommt? Oder sehr schwer? Reicht es sogar schon, nur die Gerte zu zeigen und das Pony antwortet schon? Oder kann das Pony es noch gar nicht ohne die rahmende Wand? 

Ein kluger Reiter nutzt die Lektion zur Ausbildung und Verständnisbildung, nicht zum Angeben und fertig werden. Denke immer daran, das Lernerfolg 1000 Wiederholung und mehr voraussetzt.

If you started at the wall, a tricky moment will be to get independent of the wall afterwards. A good tip is to try to step away from the wall without losing the quarter-in shape. This is a great moment to test your teaching. I like to take some shoulder in steps at the wall and try the diagonal in haunches-in. Most likely, the horse falls out of the shape after a couple of steps. This is a super-duper test of understanding for the outer leg aid. Is it easy to ask your pony to step back in under the point of weight? Or very difficult? Could you just show the whip and the horse understood? Or did the horse not manage at all without the framing wall?

 

Teile gerne deine Erfahrungen auf deinem Weg mit uns in den Kommentaren!

Enjoy the Journey!

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